Die Jahreslosung 2018

Motiv Stefanie Bahlinger

Mit freundlicher Genehmigung: Jahreslosung im Verlag am Birnbach

Gedanken zum Bild der Jahreslosung 2018

von Stefanie Bahlinger, Renate Karnstein, Dirk Dombrowski und Andreas Spierling

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Motiv Stefanie Bahlinger

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

In Mitteleuropa sind wir durch Wasserreichtum verwöhnt. Mangel an Wasser kann Krisen auslösen und es ist kein Geheimnis, dass die Sorge besteht, dass kommende Kriege um den Besitz von Wasser gehen. Dabei ist der Zugang zu sauberem Wasser ein Menschenrecht. Trotzdem sterben jährlich über drei Millionen Menschen, alle zwanzig Sekunden ein Kind, an unzureichender Wasserversorgung. Unvorstellbar! Noch unvorstellbarer wäre es allerdings, wenn Menschen in gefährdeten Regionen das Angebot frischen Wassers ablehnten. Sie stehen Schlange mit ihren Krügen und Kanistern! Weil sie durstig sind und ohne frisches Wasser nicht überleben können.

Annehmen oder ablehnen – das kann doch keine Frage sein. Jesus geht es mit seinem Leben und seiner Hingabe ähnlich. Ohne mich verläuft euer Leben im Sand, ohne mich verdurstet ihr und damit schadet ihr eurem Körper und eurer Seele. Und was macht nun unser Gott?

Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Ist es uns eigentlich aufgefallen: Das erste Wort der Jahreslosung ist „Ich“. Wenn man vom griechischen Urtext ausgeht, müsste hier sogar eine Verstärkung formuliert werden, wie: „Ich selbst“ oder „Ich und kein anderer.“ Damit das Wasser lebendig bleibt, gibt es Gott nur in die Hände seines Sohnes. Jeder andere würde das Wasser des Lebens verderben, mit seiner Selbstherrlichkeit, Selbstverliebtheit und Überheblichkeit – mit seiner Sünde.

Leben aus der Quelle – zum Bild

Das Quellwasser sprudelt, ob wir daraus schöpfen oder nicht. Der Wasserstrom in der Grafik der Künstlerin Stefanie Bahlinger springt auch nicht als erstes in den Blick. Doch er bringt Bewegung ins Bild. Er umspült das braune Gefäß.

Darüber schiebt sich ein weißes Gefäß. Beide sind durch ein geschwungenes goldenes Kreuz miteinander verbunden. Es umspannt sie und erstreckt sich vom dunklen unteren Bildrand bis hinein in das warme helle Licht ganz oben. Eine geheimnisvolle Dynamik steckt in der Grafik. Auch ausgelöst durch die intensiv violett-rosa Fläche, die sich mitten ins Bild schiebt, es unterbricht. Violett ist die Farbe der Umkehr. Vielleicht ist diese Fläche ein Spiegel, den Gott mir vorhält. Er durchschaut mich. Wie Jesus die Frau am Jakobsbrunnen. Beim Wasserschöpfen legt er den Finger auf den wunden Punkt ihres Lebens, ihre vielen gescheiterten Beziehungen. Mit dieser harten Wahrheit konfrontiert, lässt er sie nicht stehen, sondern macht ihr ein Angebot, das ihr Leben verändert: „Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten“. (Johannes 4, 13f) Dieses Wasser spült den Ballast ihres bisherigen Lebens weg. Gerade die vom Leben Gezeichneten und Verletzten lädt Gott zur Quelle ein.

Umsonst – das letzte Wort der Jahreslosung trägt die höchste Bedeutung. Was ist umsonst? „Gar nichts“, sagt mancher und der Zyniker meint: „Umsonst ist der Tod.“ Mit „umsonst“ so schön es auch klingt, tun wir uns oft schwer. Vielleicht ist das der Punkt, der mir mit meinem Leistungsdenken und Hang zum Perfektionismus widerstrebt. Beide machen auch vor meinem Glauben nicht halt. Immer ist da der Gedanke: Ich muss doch etwas dafür geben.

Luther wäre an diesem Leistungsdruck, Gott es irgendwie recht zu machen, fast gestorben. Seine Erkenntnis des Umsonst hat die Reformation hervorgerufen. Der Mensch ist vor Gott allein dadurch gerecht, dass er erkennt oder spürt: allein Christus, allein der Glaube, allein die Schrift, allein die Gnade. Alles geschenkt: umsonst. Weil wir das kaum wahrhaben können oder nicht wollen, behält Gott den Krug des Wassers in der Hand. Er ist und bleibt der Handelnde und Schenkende – umsonst:

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Und damit auf und hinein in ein neues Jahr – mit Frische in 2018!

Amen