Liebe Gemeinde,
Wenn Sie diesen Gemeindebrief in
der Hand halten, ist bereits der erste
Advent vorbei. Wahrscheinlich sind schon
etliche Plätzchen gebacken und je nach Verbrauch
muss noch „nach gearbeitet“ werden.
Es ist einfach schön, bei Kerzenlicht am
Adventskranz zu sitzen, Tee oder Kaffee zu
trinken und sich dem Duft der Plätzchen
nicht zu entziehen.
Da ist aber nicht nur der Adventskranz
sondern auch viele andere dekorative
Dinge, die an die Vorweihnachtszeit
erinnern und auf das Fest vorbereiten.
Manch einer hat auch eine Krippe:
Stall, Maria und Joseph, Hirten, Könige,
Ochs und Esel, Engel und natürlich
das Jesus Kind.
Vielfach ist es üblich,
nicht gleich alles in den Stall zu stellen. Die
Tiere sind schon da – Wasser und Futtertrog
ziehen sie an. Ochs und Esel, die in der
biblischen Weihnachtsgeschichte gar nicht
vorkommen, sind natürlich auch dabei. Viel
später erst, kurz vor heilig Abend, kommen
die anderen Krippenfiguren dazu. Sie sind
auf dem Weg und nähern sich dem Geschehen.
Sie haben ja nur eine wage Andeutung
bekommen, dass etwas ganz besonderes passieren
wird. So sind die Könige, eigentlich
sind es Sterndeuter aus dem Morgenland,
lange unterwegs, indem sie einem außergewöhnlichen
Stern folgen. Die Hirten vom
Feld hatten eine ungewöhnliche Engelerscheinung
während ihrer Arbeit mit den
Tieren auf dem Feld. Maria und Joseph
fanden am Ende ihrer Reise endlich eine
Unterkunft. Für die beiden wurde es aller
höchste Zeit.
All diese Momente fließen in den Krippengestaltungen
zusammen und auch
in unseren Weihnachtspielen im Gottesdienst
mit den Kindern. Nicht alles auf
einmal, sondern hintereinander. Da wird
nichts vorweggenommen.
Davon möchte ich lernen und dem Geschehen
Schritt für Schritt meine Aufmerksamkeit
zukommen lassen. Denn wir
leben in einer Zeit, in
der vieles vorweggenommen wird.
Wenn wir dieses Wort wörtlich nehmen bedeutet
es, dass uns etwas weggenommen wird.
Die Weihnachtsdeko im Oktober,
die Lieder Mitte November, „O du Fröhliche“
wenige Tage nach dem Ewigkeitssonntag.
Entleert wird die Zeit im Advent, denn wir sind
schon vorher durch die kommerzielle Weihnachtsoffensive
überflutet und leider auch
genervt. Weggenommen wird die Zeit der
Besinnung und des Nachdenkens über meine
Beziehung zu dem Menschgewordenen
Gott und den Konsequenzen für mein Leben.
Nicht ohne Grund ist die Adventszeit
auch Bußzeit. Das hat für mich nichts
mit Krampf zu tun, wenn ich mich gegen
diese vorzeitige Weihnachtsfülle stelle. Ehr
das Gegenteil: ich möchte mich entspannt
und durch anregende Impulse auf das
Weihnachtsgeschehen einlassen und mich freuen
dürfen wie ein Kind über das Fest
mit den Höhepunkten Heiligabend und
den folgenden Feiertagen. Das möchte ich
mir nicht nehmen lassen und müde im Sessel
zusammensinken, weil ich schon vorher
genug von all dem hatte.
Ich bin mir sicher, dass ich mich dagegen
wehren kann. Dazu gehört die richtige
Einstimmung. Das kann auch der Besuch
eines Weihnachtsmarktes sein – ganz gewiss
der am Altenheim am 4. Adventswochende,
das traditionelle Turmblasen an der Altstadtkirche
oder auch die Fackelwanderung
am 3. Advent. Nicht alles auf einmal, sondern
Schritt für Schritt. Vielleicht begegnen
wir uns dabei.
Ihr
Andreas Spierling