Die Jahreslosung 2021

Gedanken zur Jahreslosung 2021

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Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

(Lukas 6, Vers 36)

Jesus ist mit seinen zwölf Jüngern, die von ihm lernen, unterwegs. Wie immer sind auch viele andere dabei, die ihn hören wollen. Auf einem Feld am See Genezareth hält er ein und spricht zu ihnen darüber, was vor Gott im menschlichen Umgang miteinander richtig und wichtig ist, auch über das Wohl und das Wehe. Jesus lehrt sie, auf Gewalt zu verzichten und sogar denen Gutes zu tun, von denen man selbst nichts Gutes erwartet. Und dann hören sie aus seinem Mund eben diesen Satz: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“
Worum geht es dabei? Jemand, der barmherzig ist, sieht die Not, hat Mitleid und hilft. Es geht also zuerst um ein Wahrnehmen, dann um eine Herzenshaltung und schließlich um ein Verhalten. Jeder dieser drei Schritte ist unverzichtbar, damit sich Barmherzigkeit verwirklichen kann.
Nun gibt es in dem Satz von Jesus eine grundlegende Feststellung: Euer himmlischer Vater ist barmherzig! Ja, Gott sieht, was uns zu schaffen macht, er erbarmt sich unser und hilft uns heraus. Das erkennen wir besonders im Kommen und Wirken seines Sohnes Jesus Christus. Gott hat wahrgenommen, wie Menschen in der Ferne von Gott nicht mehr klarkommen – er erbarmt sich und sendet seinen Sohn – in seiner vergebenden Liebe hilft uns der Sohn zu einem Weg mit und zu Gott.  Mit einem Bild aus einem Gleichnis von Jesus ausgedrückt: Gott nimmt seine verlorenen Söhne und Töchter am Ende wieder in seine Arme – als der barmherzige Vater, der er ist. Jetzt gilt die Zusage, die ein Lied mit den Worten beschreibt: „Er liebt dich, auch wenn Du ihm Kummer gemacht, ist näher als je du gemeint.“
Das ist die eine Seite in dem Satz der Jahreslosung, wie gesagt: die grundlegende. Die andere Seite folgt daraus: Unser Wahrnehmen, unsere Herzenshaltung und unser Verhalten sollen sich an unserem himmlischen Vater orientieren. Darum noch einmal: Jemand, der barmherzig ist, sieht die Not, hat Mitleid und hilft. Jesus hat uns dies selbst oft vorgelebt: Er nahm die Not eines Menschen wahr, und der „jammerte ihn“ –  wie es dann bei Luther gewöhnlich heißt. Schließlich greift Jesus helfend ein, indem er eine neue Perspektive gibt, zum Beispiel durch eine Heilung. Wir sollen nun auch solche dreischrittigen Verwirklicher von Barmherzigkeit sein. Viele kennen das Paradebeispiel vom barmherzigen Samariter, das uns Jesus vor Augen führt. Jener Fremde, der gewöhnlich nichts mit Israeliten zu tun hatte, nimmt die Not des auf dem Wege liegenden Schwerverletzten wahr, er hat Mitleid und hilft ihm zupackend, indem er ihn auf sein Reittier lädt, mitnimmt und ihn in einer Herberge für Geld versorgen lässt.
Nehmen wir das Bibelwort und seine biblischen Abbilder im Jahr 2021 auf. Hier begegnet es uns: als Losung für jeden Tag dieses Jahres. Aus dem vorangegangenen, weitgehend von der Corona-Pandemie geprägten Jahr bringen wir die Erfahrung mit, wie wertvoll jene dreischrittige Verwirklichung von Barmherzigkeit gerade in solchen Krisenzeiten ist. Was ist nicht alles an barmherzigem Samariterdienst beruflich wie privat geschehen! In besonderer Weise in Krankenhäusern, in Altenheimen, in Arztpraxen, in ambulanten Diensten. Auch in Kindergärten, Schulen, Familien, Gemeinden, Kommunen, Nachbarschaften und weit darüber hinaus wurde und wird Herausragendes unternommen. Und dies reicht nun tief in das Jahr 2021 hinein.
Jemand, der barmherzig ist, sieht die Not, hat Mitleid und hilft. Der Dreischritt der Barmherzigkeit. Nun sind wir also selbst gefragt. Wie nehmen wir wahr, was andere in dieser pandemischen Krise, die hoffentlich 2021 weitestgehend überwunden wird, bewegt? Bewegt es unser Herz, rührt es uns an? Sehen und haben wir eine Möglichkeit, Menschen in Not zu helfen? Wie verwirklichen wir in 2021 unsere Barmherzigkeit, wie sie Gott seinerseits ja bereits längst in Jesu Sendung und Handeln verwirklicht hat?! Was können wir konkret füreinander tun?
Ein Handeln, das nur eigene Freiheiten betont, wird uns als Gesellschaft bzw. Gemeinschaft von Menschen nicht weiterbringen. Die Jahreslosung lädt uns ausdrücklich dazu ein, den Menschen in den Blick zu nehmen, der unsere Hilfe braucht und dem wir vorab unser Herz öffnen können. Wagen wir es, die Christinnen und Christen zu sein, die Jesus selbst in uns sehen bzw. wiedererkennen möchte – so wie wir selbst von Gott Barmherzigkeit erfahren!

Dietrich Schüttler